ELEVELSteuererklärung als Student 2026: Wer muss sie machen, was kann man absetzen und wie bekommst du am meisten zurück? Der komplette Guide.

Die meisten Studierenden lassen jedes Jahr Geld auf dem Tisch liegen – weil sie keine Steuererklärung abgeben. Dabei erhalten Studierende mit Nebenjob im Durchschnitt 300–700 Euro Steuererstattung pro Jahr zurück. Wer die Steuererklärung konsequent nutzt und Verlustvorträge klug einsetzt, kann sogar noch deutlich mehr rausholen.
Gleichzeitig ist die Steuererklärung für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Welche Formulare, welche Fristen, was kann ich überhaupt absetzen? In diesem Guide erklären wir alles was Studierende wissen müssen – von der Frage ob du überhaupt eine abgeben musst bis zu den konkreten Absetzbeträgen die die meisten vergessen. Wenn du nach dem Studium ins Berufsleben startest, lohnt sich auch ein Blick auf unsere Tipps zur Gehaltsverhandlung als Berufseinsteiger.
Kurze Antwort: Nicht immer müssen, aber fast immer sinnvoll. Hier die zwei häufigsten Szenarien:
Pflichtveranlagung (du müsst eine abgeben) wenn: Dein Jahreseinkommen aus mehreren Jobs zusammen über 11.604 Euro (Grundfreibetrag 2024) liegt, du von mehreren Arbeitgebern gleichzeitig Lohn bezogen hast (Lohnsteuerklasse VI), oder du Lohnersatzleistungen wie BAföG-ähnliche Zuschüsse vom Jobcenter erhalten hast.
Freiwillig (du kannst, und solltest) wenn: Du einen Minijob oder Teilzeitjob hattest und Lohnsteuer abgeführt wurde, du Ausgaben für dein Studium hattest (Laptop, Fachliteratur, Kursgebühren), du Fahrtkosten zur Uni oder Arbeit hast, oder du während des Studiums Verluste hattest (z.B. im Erststudium) die du mit späteren Einnahmen verrechnen kannst.
Die freiwillige Steuererklärung kannst du bis zu 4 Jahre rückwirkend abgeben. Du kannst also heute noch für 2021, 2022, 2023 und 2024 einreichen.
Das ist der Teil wo die meisten Studierenden die größten Fehler machen – sie kennen nicht alle Absetzmöglichkeiten. Hier eine vollständige Übersicht:
Studiumskosten (Werbungskosten):
Laptop und technisches Equipment (100 % abzugsfähig wenn studiumsbezogen), Fachliteratur, Lernmaterialien, Bürobedarf, Kursgebühren und Prüfungsgebühren, Fahrtkosten zur Uni (0,30 Euro pro Kilometer), Semestergebühren im Zweitstudium (das Erststudium ist komplizierter – dazu gleich mehr).
Arbeitsmittel (bei Nebenjob):
Berufskleidung (nur wenn ausschließlich beruflich nutzbar), Fahrten zum Arbeitsplatz (Entfernungspauschale 0,30–0,38 Euro/km), Gewerkschaftsbeiträge, Fortbildungskosten.
Sonderausgaben:
Versicherungsbeiträge (Haftpflicht, Berufsunfähigkeitsversicherung), Spenden, Kirchensteuer.
Außergewöhnliche Belastungen:
Krankheitskosten die über der zumutbaren Eigenbelastung liegen, Pflegekosten für Angehörige.
Wichtig zum Erststudium: Kosten für das erste Studium (z.B. Bachelorstudium direkt nach Abitur) können nur als Sonderausgaben bis max. 6.000 Euro/Jahr abgesetzt werden, nicht als Werbungskosten. Kosten für ein Zweitstudium (z.B. Master nach Bachelor) sind dagegen unbegrenzt als Werbungskosten absetzbar.
Das ist das Werkzeug das die meisten Studierenden nicht kennen und das langfristig am meisten bringt. Wenn du im Studium mehr Ausgaben als Einnahmen hast – also Verluste machst – kannst du diese Verluste ins nächste Steuerjahr übertragen.
Konkretes Beispiel: Du studierst Informatik, hast während des Studiums 8.000 Euro Ausgaben (Laptop, Software, Lehrmaterial, Fahrtkosten) aber nur 4.000 Euro Einnahmen aus einem Nebenjob. Du hast einen steuerlichen Verlust von 4.000 Euro. Dieser Verlust wird vorgetragen und mit deinen Einnahmen nach dem Studium verrechnet. Im ersten Berufsjahr zahlst du dann auf die ersten 4.000 Euro Einkommen keine Steuern.
Wer das konsequent macht und jährlich eine Steuererklärung abgibt (auch wenn im laufenden Jahr nichts zu erstatten ist), kann im ersten Berufsjahr Steuerersparnisse von 1.500–3.000 Euro realisieren. Der Trick: Du musst jedes Jahr eine Steuererklärung abgeben um den Verlust amtlich festzustellen – auch wenn du null Steuern zahlst.
ELSTER (kostenlos): Das offizielle Portal der deutschen Finanzbehörden. Kostenlos, direkt beim Finanzamt einreichbar, alle Formulare vorhanden. Nicht besonders nutzerfreundlich, aber gratis und vollständig.
Wundertax (ab 29,99 €): Sehr nutzerfreundliche Oberfläche, gut geeignet für einfache Fälle, führt dich durch den Prozess mit einfachen Fragen. Besonders empfehlenswert für Erstnutzer.
Taxfix (ab 39,99 €): App-basiert, schnell und unkompliziert. Gut für Nebenjob-Steuererklärungen.
WISO Steuer (ab 29,99 €): Am umfangreichsten, ideal wenn du komplexere Situationen hast (Verlustvortrag, mehrere Einkommensquellen).
Für die meisten Studierenden: ELSTER für Einsteiger kostenlos, Wundertax für mehr Komfort. Den Verlustvortrag beantragst du in ELSTER über die Anlage N (Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit) oder die Anlage SO (sonstige Einkünfte).
Pflichtveranlagung: 31. Juli des Folgejahres (mit Steuerberater: 28. Februar übernächstes Jahr).
Freiwillige Steuererklärung: 4 Jahre rückwirkend. Für das Jahr 2024 also bis 31. Dezember 2028.
Profi-Tipp: Wenn du Erstattungen erwartest, gib die Steuererklärung möglichst früh ab – das Geld kommt dann schneller. Das Finanzamt hat 6 Monate Zeit zur Bearbeitung, in der Praxis dauert es 4–8 Wochen.
Nein, Minijobs (bis 556 Euro/Monat) sind pauschal versteuert und müssen nicht in der Steuererklärung angegeben werden. Aber: Wenn du zusätzlich andere Einnahmen hattest und Lohnsteuer einbehalten wurde, solltest du freiwillig einreichen um diese zurückzubekommen.
Studiumskosten (Laptop, Bücher, Fahrtkosten zur Uni), Arbeitsmittel bei Nebenjob, Versicherungsbeiträge und bei Zweitstudium unbegrenzte Werbungskosten. Das wichtigste Instrument ist der Verlustvortrag der deine Studiumsausgaben mit späteren Einnahmen verrechnet.
Ja, absolut. Wenn deine Studiumsausgaben höher sind als deine Einnahmen, wird dieser Verlust ins nächste Jahr übertragen. Im ersten Berufsjahr zahlst du dann weniger Steuern. Potenzielle Ersparnis: 1.500–3.000 Euro im ersten Berufsjahr. Du musst aber jedes Studienjahr eine Steuererklärung abgeben um den Verlust festzustellen.
ELSTER ist kostenlos und reicht für einfache Fälle. Wundertax (ca. 30 Euro) ist nutzerfreundlicher und führt dich Schritt für Schritt. WISO Steuer empfehlen wir wenn du den Verlustvortrag über mehrere Jahre nutzen möchtest.
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