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Deutsche Zitierweise: Mit Fußnoten richtig zitieren (2026)

Deutsche Zitierweise Schritt für Schritt: Vollbeleg, Kurzbeleg und ebd., Beispiele für jeden Quellentyp und wie du Fußnoten in Word einfügst.

Aufgeschlagenes Fachbuch neben einem Notizbuch mit handschriftlichen Notizen und Post-its — Arbeiten mit Quellen für eine wissenschaftliche Arbeit

Kurz gesagt: Bei der deutschen Zitierweise steht die Quelle nicht im Fließtext, sondern in der Fußnote am Seitenende. Im Text bleibt nur eine hochgestellte Ziffer. Beim ersten Mal gibst du die Quelle vollständig an, danach reicht ein Kurzbeleg — und wenn dieselbe Quelle direkt noch einmal kommt, genügt „ebd."

Was ist die deutsche Zitierweise?

Die deutsche Zitierweise — auch Chicago-Stil oder Fußnotenzitierweise genannt — verlagert den Quellennachweis ans Seitenende. Im Fließtext steht nur eine hochgestellte, fortlaufende Ziffer direkt hinter dem Zitat. Die dazugehörige Fußnote nennt Autor:in, Titel und Seitenzahl.

Der Vorteil: Der Lesefluss bleibt ungestört, und du hast in der Fußnote Platz für Anmerkungen, Definitionen oder Übersetzungen. Der Nachteil: Es ist mehr Tipparbeit als bei der Harvard-Zitierweise, bei der der Kurzbeleg direkt im Text steht.

Verbreitet ist die deutsche Zitierweise vor allem in den Geistes-, Geschichts- und Rechtswissenschaften. In Wirtschafts-, Sozial- und Naturwissenschaften dominiert dagegen Harvard oder APA.

Wichtig vorab: Die Details unterscheiden sich von Hochschule zu Hochschule, teils von Lehrstuhl zu Lehrstuhl. Ob ein Komma oder ein Doppelpunkt steht, ob der Vorname ausgeschrieben wird — das regelt das Merkblatt deines Instituts. Die Beispiele hier zeigen die gängigste Variante. Wenn dein Lehrstuhl etwas anderes vorgibt, gilt das Merkblatt.

Direktes und indirektes Zitat: der Unterschied

Bevor du die Fußnote schreibst, musst du wissen, welche Art von Zitat du gerade setzt. Davon hängt ab, ob ein „Vgl." davorsteht.

Direktes Zitat

Wörtliche Übernahme, in doppelte Anführungszeichen gesetzt. Die Fußnote steht ohne „Vgl.":

„Die Digitalisierung verändert die Hochschullehre grundlegend."¹
¹ Anna Berger, Lehren im digitalen Zeitalter, 2. Aufl., München 2024, S. 45.

Zwei Regeln für wörtliche Zitate:

  • Auslassungen markierst du mit drei Punkten in eckigen Klammern: […]
  • Grammatische Anpassungen — etwa eine geänderte Endung, damit der Satzbau passt — kommen ebenfalls in eckige Klammern.

Zitate ab etwa drei Zeilen werden meist eingerückt, in kleinerer Schrift und ohne Anführungszeichen gesetzt.

Indirektes Zitat (Paraphrase)

Du gibst einen fremden Gedanken in eigenen Worten wieder. Keine Anführungszeichen, aber die Fußnote beginnt mit „Vgl.":

² Vgl. Anna Berger, Lehren im digitalen Zeitalter, 2. Aufl., München 2024, S. 47–49.

Das „Vgl." ist kein Schmuck. Es signalisiert der prüfenden Person, dass du die Stelle sinngemäß und nicht wörtlich übernommen hast. Wer es weglässt, suggeriert ein wörtliches Zitat — und das ist bei einer Stichprobe schnell auffällig.

Vollbeleg, Kurzbeleg und „ebd."

Das ist die Mechanik, an der die meisten Arbeiten scheitern — dabei ist sie simpel.

1. Erstnennung: der Vollbeleg

Beim ersten Mal nennst du die Quelle komplett:

¹ Anna Berger, Lehren im digitalen Zeitalter. Konzepte für die Hochschule, 2. Aufl., München 2024, S. 45.

2. Jede weitere Nennung: der Kurzbeleg

Danach genügen Nachname, Kurztitel und Seite:

⁵ Berger, Lehren im digitalen Zeitalter, S. 112.

3. Direkt aufeinanderfolgend: „ebd."

Kommt dieselbe Quelle unmittelbar in der nächsten Fußnote noch einmal, schreibst du „ebd." (ebenda):

⁶ Ebd.
⁷ Ebd., S. 118.

„Ebd." allein heißt: gleiche Quelle, gleiche Seite. Mit Seitenangabe: gleiche Quelle, andere Seite. Der häufigste Fehler ist, „ebd." zu verwenden, obwohl dazwischen eine andere Quelle stand — dann ist der Bezug kaputt und die Angabe wertlos.

Die ältere Abkürzung „a.a.O." (am angegebenen Ort) gilt vielerorts als überholt, weil sie bei mehreren Werken derselben Person mehrdeutig wird. Im Zweifel: Kurzbeleg statt a.a.O.

So zitierst du jeden Quellentyp

Jeder Quellentyp hat ein eigenes Muster. Diese Tabelle deckt die Fälle ab, die dir in einer Haus- oder Abschlussarbeit begegnen:

QuellentypVollbeleg in der Fußnote
Monografie (Buch)Vorname Nachname, Titel. Untertitel, Auflage, Ort Jahr, S. 45.
Beitrag im SammelbandVorname Nachname, Beitragstitel, in: Vorname Nachname (Hrsg.), Titel des Sammelbands, Ort Jahr, S. 30–52, hier S. 41.
ZeitschriftenaufsatzVorname Nachname, Aufsatztitel, in: Name der Zeitschrift, Jahrgang (Jahr), S. 12–30, hier S. 18.
ZeitungsartikelVorname Nachname, Titel, in: Name der Zeitung, Datum, S. 3.
InternetquelleVorname Nachname, Titel, URL (abgerufen am TT.MM.JJJJ).
DissertationVorname Nachname, Titel, Diss. Universität Ort Jahr, S. 88.
Werk mit zwei Autor:innenVorname Nachname / Vorname Nachname, Titel, Ort Jahr, S. 12.
Ab drei Autor:innenVorname Nachname u. a., Titel, Ort Jahr, S. 12.

Bei Internetquellen ist das Abrufdatum Pflicht. Webseiten ändern sich; das Datum belegt, was zum Zeitpunkt deiner Arbeit dort stand. Ein Screenshot im Anhang schadet bei wichtigen Online-Quellen ebenfalls nicht.

Fußnoten in Word einfügen und formatieren

Fußnoten von Hand zu nummerieren ist unnötig — Word übernimmt das komplett.

Einfügen

  • Cursor hinter das Zitat setzen (nach dem Anführungszeichen, vor dem Satzpunkt oder danach — je nach Vorgabe deines Lehrstuhls).
  • Reiter VerweiseFußnote einfügen.
  • Tastenkürzel: Strg + Alt + F (Windows) bzw. Cmd + Alt + F (Mac).

Word nummeriert automatisch neu, wenn du später eine Fußnote dazwischenschiebst. Genau deshalb solltest du nie manuell nummerieren.

Formatieren

Üblich und an den meisten Lehrstühlen erwartet:

  • Schriftgröße: 10 pt statt 12 pt im Fließtext
  • Zeilenabstand: einfach statt 1,5-zeilig
  • Ausrichtung: Blocksatz, hängender Einzug bei mehrzeiligen Fußnoten
  • Abschluss: Jede Fußnote endet mit einem Punkt

Ändere das über die Formatvorlage Fußnotentext, nicht Fußnote für Fußnote. Sonst sitzt du am Abgabetag daran, 80 Einträge einzeln anzupassen.

Das Literaturverzeichnis

Hier zahlt sich die deutsche Zitierweise aus: Du hast die Vollbelege schon in den Fußnoten stehen und kannst sie fast unverändert übernehmen.

Drei Unterschiede zur Fußnote:

  • Alphabetisch sortiert nach Nachname, nicht in der Reihenfolge des Auftretens.
  • Nachname zuerst: „Berger, Anna" statt „Anna Berger".
  • Ohne die zitierte Seitenzahl. Bei Aufsätzen gibst du stattdessen den vollständigen Seitenbereich an, also S. 30–52 statt „hier S. 41".
Berger, Anna: Lehren im digitalen Zeitalter. Konzepte für die Hochschule, 2. Aufl., München 2024.

Jede zitierte Quelle gehört ins Verzeichnis — und nur zitierte Quellen. Literatur, die du gelesen, aber nie zitiert hast, hat dort nichts verloren. Umgekehrt ist eine Fußnote ohne Eintrag im Verzeichnis ein formaler Fehler, der Punkte kostet.

Deutsche vs. Harvard-Zitierweise

Deutsche ZitierweiseHarvard-Zitierweise
Beleg stehtin der Fußnoteim Fließtext
Im Text sichtbarhochgestellte Ziffer(Berger 2024: 45)
ErstnennungVollbelegKurzbeleg, immer gleich
Platz für Anmerkungenjanein
Leseflussungestörtwird unterbrochen
Aufwandhöhergeringer
Typisch fürGeistes-, Geschichts-, RechtswissenschaftWirtschafts-, Sozial-, Naturwissenschaft

Welche du nimmst, entscheidet in der Regel dein Fach oder dein Lehrstuhl — nicht dein Geschmack. Und wenn du dich einmal entschieden hast, ziehst du sie durch die ganze Arbeit durch. Ein Stilwechsel auf Seite 20 ist ein sicherer Punktabzug.

Die häufigsten Fehler

  • „Vgl." vergessen bei einer Paraphrase — sieht aus wie ein wörtliches Zitat, das keines ist.
  • „Ebd." über eine fremde Quelle hinweg — der Bezug zeigt dann auf das falsche Werk.
  • Uneinheitliche Vollbelege — mal mit ausgeschriebenem Vornamen, mal mit Initiale.
  • Fehlende Seitenzahl. Ohne sie ist der Beleg nicht überprüfbar und damit wertlos.
  • Abrufdatum bei Internetquellen vergessen.
  • Quellen im Verzeichnis, die nie zitiert wurden — oder umgekehrt.
  • Manuell nummerierte Fußnoten, die nach einer Einfügung nicht mehr stimmen.

Wenn du mit KI recherchierst

Immer mehr Studierende nutzen ChatGPT und ähnliche Tools für den Rechercheeinstieg. Beim Zitieren gilt dann eine zusätzliche Regel: Prüfe jede Quelle im Original, bevor sie in die Fußnote wandert. Erfundene Literaturangaben — Titel, die es nie gab, oder falsche Seitenzahlen zu echten Werken — sind der häufigste Grund, warum KI-Nutzung in Hausarbeiten auffällt. Wie du das vermeidest und welche Prompts beim wissenschaftlichen Arbeiten wirklich helfen, steht in unserem Guide zu ChatGPT im Studium.

Häufige Fragen

Was ist die deutsche Zitierweise?

Bei der deutschen Zitierweise steht der Quellennachweis in einer Fußnote am Seitenende, im Fließtext bleibt nur eine hochgestellte Ziffer. Sie wird auch Chicago-Stil oder Fußnotenzitierweise genannt und ist vor allem in den Geistes-, Geschichts- und Rechtswissenschaften verbreitet.

Wann benutze ich „ebd."?

Nur wenn dieselbe Quelle unmittelbar in der vorangehenden Fußnote steht. „Ebd." allein bedeutet gleiche Quelle und gleiche Seite, „Ebd., S. 118." gleiche Quelle und andere Seite. Steht dazwischen eine andere Quelle, musst du den Kurzbeleg verwenden.

Muss in der Fußnote „Vgl." stehen?

Bei indirekten Zitaten ja, bei wörtlichen Zitaten nein. „Vgl." zeigt an, dass du den Gedanken sinngemäß in eigenen Worten wiedergegeben hast. Bei einem wörtlichen Zitat in Anführungszeichen entfällt es.

Wie füge ich in Word eine Fußnote ein?

Cursor hinter das Zitat setzen, dann Reiter „Verweise" und „Fußnote einfügen" wählen. Schneller geht es mit Strg + Alt + F unter Windows beziehungsweise Cmd + Alt + F auf dem Mac. Word nummeriert automatisch neu, wenn du später Fußnoten einschiebst.

Kommt die vollständige Quelle in jede Fußnote?

Nein, nur in die erste. Bei der Erstnennung gibst du den Vollbeleg mit Vorname, Nachname, Titel, Auflage, Ort, Jahr und Seite an. Ab der zweiten Nennung genügt der Kurzbeleg aus Nachname, Kurztitel und Seitenzahl.

Gehören alle Fußnoten ins Literaturverzeichnis?

Jede zitierte Quelle gehört ins Literaturverzeichnis, und zwar alphabetisch nach Nachname und ohne die konkret zitierte Seitenzahl. Reine Anmerkungsfußnoten ohne Quellenangabe stehen dort nicht. Literatur, die du gelesen, aber nie zitiert hast, gehört ebenfalls nicht hinein.

Deutsche oder Harvard-Zitierweise — was soll ich nehmen?

Das gibt in der Regel dein Fach oder dein Lehrstuhl vor. Die deutsche Zitierweise ist typisch für Geistes-, Geschichts- und Rechtswissenschaften, Harvard für Wirtschafts-, Sozial- und Naturwissenschaften. Entscheidend ist, dass du eine Variante wählst und sie in der ganzen Arbeit konsequent durchhältst.

Fazit

Die deutsche Zitierweise wirkt beim ersten Mal aufwendig, folgt aber einer einfachen Logik: Vollbeleg beim ersten Mal, Kurzbeleg danach, „ebd." bei unmittelbarer Wiederholung. Wer das plus die Muster für die einzelnen Quellentypen verinnerlicht hat, zitiert den Rest des Studiums fehlerfrei.

Der wichtigste Satz zum Schluss: Im Zweifel gilt das Merkblatt deines Lehrstuhls. Und ein einheitlicher, wenn auch nicht perfekter Stil ist immer besser als ein perfekter, der auf halber Strecke wechselt.

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